AMBA

Der Teegarten von Amba liegt eingebettet im ruhigen Tal von Ambadandegama, am
Rande des Uva-Hochlandes in Sri Lanka. Die Anreise führt über schmale Strassen in
eine abgelegene, eindrückliche Landschaft. Genau hier ist eine besondere Geschichte
entstanden, die heute als Vorbild für viele alternative Projekte im Land gilt.
Bereits um 1900 wurde im Tal Tee angebaut. Schon 1912 nutzte man den Wasserfall
Ravana Ella, um mit Wasserkraft die Teefabrik zu betreiben. Doch der Bürgerkrieg
hinterliess Spuren. 1983 wurde der Garten geschlossen, die Pflanzen blieben weitgehend sich selbst überlassen.
Im Jahr 2006 begann ein neuer Abschnitt. Vier Investoren übernahmen den Teegarten
und bauten ihn Schritt für Schritt wieder auf. Neue Setzlinge wurden gepflanzt und die
Produktion konsequent auf biologische Landwirtschaft ausgerichtet. Gleichzeitig blieb
der Respekt vor dem Bestehenden erhalten. Alte Teepflanzen werden bis heute weiter
gepflegt und genutzt. So entsteht eine besondere Verbindung aus Tradition und
Erneuerung, geprägt von einheimischen Varietäten.
Amba verzichtet vollständig auf Kunstdünger, Pestizide und Herbizide. Stattdessen wird eigener Kompost hergestellt. Ein besonderer Teil dieses Kreislaufs sind die sogenannten Rescue Cows. Kühe werden vor der Schlachtung gerettet und leben danach auf dem Gelände. Sie liefern auf natürliche Weise den Dünger für die Felder. Der ganze Teegarten wird grösstenteils vegan geführt.
Die verwendeten traditionellen Teesorten bringen zwar geringere Erträge, dafür aber
einen unverwechselbaren Geschmack. Jeden Monat werden rund 2000 Kilogramm Tee produziert, doch nur etwa 40 Kilogramm entsprechen den hohen Qualitätsansprüchen von Amba. Gepflückt wird ausschliesslich nach dem Prinzip „one leaf and the bud“.
Die Verarbeitung erfolgt auf traditionelle Weise. Nach dem Pflücken beginnt die
Oxidation. Die Blätter werden gerollt, wodurch ihre Zellstruktur geöffnet wird.
Anschliessend ruhen sie einige Stunden in einem kühlen, dunklen Raum und verändern dabei ihre Farbe von Grün zu Kupfer. Zum Abschluss wird der Tee sorgfältig getrocknet, wenn möglich draussen an der frischen Luft.
Heute bietet Amba rund 70 Menschen eine feste Anstellung und betreibt zusätzlich ein
kleines Guesthouse. Die Region des Uva Hochgebirges zählt zu den am wenigsten
entwickelten Gebieten Sri Lankas. Umso wichtiger ist die Rolle, die Amba vor Ort
einnimmt. Seit 2007 ist die Zahl der Arbeitsplätze stark gestiegen und die Löhne haben
sich deutlich erhöht (es werden Fixlöhne ausbezahlt, welche sich nicht nach der
gepflückten Menge orientieren wie bei grossen Teeplantagen). Viele Familien bestreiten heute ihr Haupteinkommen durch den Teegarten.
Darüber hinaus stärkt Amba gezielt die lokale Wirtschaft. Es wird bewusst mit
regionalen Produzentinnen und Produzenten, Handwerkerinnen und Handwerkern zusammengearbeitet. Neue Einkommensmöglichkeiten entstehen etwa durch Kooperativen oder handwerkliche Produkte. Auch soziale Projekte sind ein fester
Bestandteil. Bildungsangebote, medizinische Unterstützung und gemeinschaftliche
Initiativen tragen zur positiven Entwicklung der Region bei.
Der Schutz der Umwelt ist dabei ebenso zentral. Über 100’000 Bäume wurden gepflanzt, Regenwasser wird gesammelt und durch gezielte Massnahmen wird Erosion verhindert. Ein grosser Teil des Landes bleibt als Wald erhalten und wird nachhaltig genutzt, etwa für Honig oder Gewürze. Plastik wird weitgehend vermieden und Abfall reduziert, wiederverwendet oder recycelt.
Langfristig verfolgt Amba das Ziel, energieautark zu werden. Solarenergie, Wasserkraft, Wind und Biogas sollen gemeinsam eine nachhaltige Versorgung sichern.
Ein besonderes Herzensprojekt ist die Zusammenarbeit mit dem „Halfway Home“ in Mulleriyawa. Dort werden Frauen nach psychischen Erkrankungen beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben unterstützt. Sie fertigen Verpackungen und Handarbeiten für Amba-Produkte an und gewinnen dadurch ein eigenes Einkommen sowie neues Selbstvertrauen. Gleichzeitig wird ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und zum Abbau von Vorurteilen geleistet.
Amba steht heute für eine Form der Landwirtschaft, die wirtschaftlichen Erfolg, soziale
Verantwortung und ökologische Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Ein Ort, an dem
Tee nicht nur produziert wird, sondern eine Geschichte erzählt.